Kräuterweihe & Kräuterbusch

Schon in vorchristlichen Zeiten wurden Kräuter den Göttern aus Dank und zum Schutz geopfert. Da das Volk das Verbot dieses heidnischen Brauches durch die christlichen Missionare missachtete, führte die Kirche die heute zu den Sakramentalien zählende Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt ein. In ländlichen katholischen Regionen hat sich diese Tradition bis heute erhalten und hat einen besonderen Stellenwert im Kalender. Mancherorts ist der 15. August immer noch Feiertag.

KräuterbuschAn diesem Tag werden Kräuter gesammelt und zu Büschen gebunden. Je nach Region variieren die traditionellen Kräuter, die oft in einer bestimmten Anzahl verwendet wurden. Häufig werden 7 (Zahl der Wochentage), 12 (Zahl der Apostel) oder 14 Kräuter (Zahl der Nothelfer) gebunden, es gibt aber auch Kräuterbüsche mit 77 Kräutern.
In der Mitte ist traditionell oft eine Königskerze, die von heimischen Kräutern umgeben wird. Wie zum Beispiel Alant, Arnika, Baldrian, Beifuß, Eibisch, Frauenmantel, Goldrute, Johanniskraut, Kamille, Liebstöckel, Majoran, Pfefferminze, Rainfarn, Ringelblumen, Schafgarbe, Thymian, Wermut, Ysop und einige mehr. Als Symbol für Maria werden oft auch Rosen und Getreideähren mit hinein gebunden.

KräuterbuschDie Kräuterbüsche werden in einem Gottesdienst gesegnet und anschließend getrocknet und im Haus oder Stall aufgehängt. Die geweihten Kräuter sollen gegen Verzauberung und Krankheiten schützen, aber auch für Eheglück, Kindersegen und vieles mehr sorgen. Besonders heilkräftig soll es nach der Überlieferung sein, wenn man den Kräuterbusch mit Weihrauch vermischt und im Krankenzimmer damit räuchert. Bei Unwetter und Stürmen werden einige der getrockneten Pflanzenteile im Feuer verbrannt, um Haus und Hof vor Blitz und Unglück zu schützen. Ansonsten wurden die Kräuter in der Küche und Hausapotheke verwendet. Die Kräuterbüsche waren etwas besonderes, da bei diesen durch die Kräuterweihe die materielle und die spirituelle Ebene besonders verbunden wurde.

KräuterkorbMaria Himmelfahrt ist auch der Auftakt für den vor allem im Allgäu und in Tirol noch bekannten “Frauendreissiger“. Dies ist die Zeitspanne bis Mitte September, die wichtigste Kräutersammelzeit des Jahres. In dieser Zeit gesammelte Heilkräuter haben eine besonders intensive Wirkung und Kraft. Mit Ausnahme der Johanniskräuter, die zur Sommersonnenwende gepflückt werden.

Wer Interesse am  Kräuterbuschbinden hat, Kräuterexpertin Heike Götz bietet dies im Anschluss an eine Kräuterwanderung am 15. August 2018 in Gaggenau an. Näheres dazu auf der Seite Kräuterbuschbinden oder bei den Terminen.

Wer dazu ein Buch sucht, Kräuterbuschn – Gestern und Heute – von Romana Seunig *

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