Eine Kirche brennt nicht nur so

Zur Gesundheit gehört es auch, sich in einer verrückten Welt nicht verrückt machen zu lassen. Und zu erkennen, dass es oft einen “größeren Plan” gibt oder einen Zusammenhang hinter den Dingen, der sich einem nicht immer erschließt oder der für einen nicht immer Sinn macht.

Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Oder doch?

Am 18.3.19 brennt die zweitgrößte Kirche von Paris, Saint Sulpice.
Am 15.4.19 brennt Notre Dame, die größte Kirche von Paris.

Dass es ab und an in einem alten Haus brennt, kein Thema.
Dass es auch mal in einer der am besten überwachten Kirchen zu einem Brand kommen kann, auch kein Thema. Was schon etwas verwundert, dass deren Dachstuhl binnen Minuten lichterloh in Flammen aufgeht – und dass schon alle offiziellen Stellen noch während der Löscharbeiten verkünden, dass es ein technischer Defekt und KEIN Anschlag war. So Analysen dauern normalerweise Tage bis Wochen …

Aber wenn binnen kürzester Zeit die zwei bedeutendsten und vor allem weltbekannten Kirchen in einer Stadt brennen, dann kann man schon mal schauen, was es da noch alles für Zufälle und Verbindungen gibt. Zumal wenn drei Tage vorher die wertvollen Statuen der Apostel vom durch den Brand einstürzenden Spitzturm herunter geholt und ein Großteil der sich in der Kathedrale befindlichen Heiligtümer an einen anderen sicheren Platz gebracht wurden. Und sogar wie durch ein Wunder (oder Vorsorgemaßnahmen?) sogar die Orgel trotz der großen Hitze und des vielen Löschwassers praktisch unversehrt blieb.

Dass der französische Präsident dadurch die an diesem Abend geplante Rede zur Nation bzgl. des “Gelbwestenproblems” nicht halten musste und durch das “Unglück” die Gemeinsamkeiten der Franzosen beschwören konnte …
Glück muss man haben. Etwas besseres hätte ihm fast nicht passieren können. Die ebenfalls gerettete größte Glocke von Notre Dame heißt übrigens wie der (vielleicht dadurch auch gerettete?) Präsident – “Emmanuelle”. 😉
Wenden wir uns von den “glücklichen Umständen” mal ein paar Hintergründen und Verbindungen zu.

Symbolik und Zusammenhänge

Auf die Symbolik, dass zwei solche Kirchen in einer Zeit brennen, in der sich der Islam in Europa immer mehr ausbreitet, gehen wir an dieser Stelle nicht ein. Auch die Verbindung zu unserer Zeit und den aktuellen Themen und Problemen möge bitte jeder für sich ziehen.

Die Kathedrale Notre Dame steht für den Übergang von der Romanik zur Gotik, also von einer Epoche in eine andere.
Bei den Proportionen der Fassade wurde das Ideal des heiligen Augustinus verwirklicht: eine Architektur, deren Proportionen die harmonische Ordnung des Universums widerspiegelt.
Ferner wurde bei der Fassadengestaltung erstmals die Königsgalerie über der Portalzone als Sinnbild der Vereinigung von Kirche und Monarchie eingeführt.
Während der Revolution wurde die Kathedrale zum “Tempel der Vernunft” erklärt.

Notre Dame

Saint-Sulpice ist die Grabstätte einiger der größten Adelsfamilien in Frankreich.
Während der Revolution wurde die Kirche als Siegestempel (Temple de la Victoire) bezeichnet,
Als Bischof bemühte sich Sulpicius vor allem um die Wiederherstellung der kirchlichen Disziplin.

Saint-Sulpice spielt auch im Da Vinci Code eine Rolle, der einigen durch die Romanverfilmung “Sakrileg” von Dan Browns Roman bekannt sein dürfte. Neben einigen Szenen um die Kirche herum gibt es auch welche in der Kirche. Unter anderem die, als das Sonnenlicht um die Mittagszeit durch ein Loch in der Südwand der Kirche auf eine Messinglinie am Boden fällt und in der Verlängerung weiter auf einen elf Meter hohen Obelisken scheint. Auf diese Weise werden nicht nur die Zeiten gezeigt, sondern auch die Sommersonnenwende, Frühling-, Herbst- und Winteranfang. Einen solchen Obelisk als astronomisches Instrument bezeichnete man in der Antike als Gnomon.

Den Begriff Gnomon findet ebenfalls in der theologischen Fachliteratur in dem berühmten Werk der Bibelexegese vom pietistischen Theologen Johann Albrecht Bengel Verwendung. Im 1742 veröffentlichten Werk “Gnomon Novi Testamenti” wird der Begriff im Sinne von Metapher und Zeiger verwendet. Dabei geht es nach Ansicht von Bengel um eine chronologisch fassbare, berechenbare Heilsgeschichte, nach der die Johannes-Apokalypse wie ein Uhrwerk ablaufen soll.

Bei der Szene mit dem Sonnenlicht geht es um die Zeitmessung mit der Sonne, also den im westlichen Kulturkreis üblichen Sonnenkalender.
Die beiden Brände hatten exakt eine Mondphase Abstand, was die Zeitmessung mittels dem im östlichen Kulturkreis üblichen Mondkalender widerspiegelt.

Gnomon

Auch die Verbindungen zwischen beiden Kirchen und Daten sind beachtenswert. Saint-Sulpice ist auf Notre Dame ausgerichtet und hat wie diese 2 Türme. Wie Jachin und Boas, die beiden Säulen am Eingangstor zu König Salomos Tempel auf dem Tempelberg in Jerusalem. Dort steht heute die Al-Aqsa-Moschee, in deren Nähe es am 15.4.19 übrigens auch gebrannt hat. Und zwar in einem Wachraum vor dem Dach der Marwani-Gebetshalle, welche auch „Ställe Salomons“ genannt wird.

Apropos Tempelberg. Am 18.3.1314 wurden die letzten Großmeister des Templerordens, Jacques del Molay und Geoffroy de Charnay in Paris auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannt. Auf der Ile de la Cité – neben der Kathedrale Notre Dame. Der einst wichtigste Orden für die Kreuzzüge ins Heilige Land war Papst Clemens V. zu mächtig geworden und sein Freund, König Philipp IV. von Frankreich, der die Templer exekutieren lies, brauchte Erfolge und Geld um den drohenden Staatsbankrott Frankreichs abzuwenden.

Aber nicht nur hier ist das Brand-Datum der einen Kirche mit einem Ereignis der anderen Kirche verknüpft. Leonardo da Vinci wurde am 15.4.1452 geboren und 1822 heiratete Victor Hugo in Saint-Sulpice seine Adèle. Sein bekanntestes Werk: “Der Glöckner von Notre-Dame“.

Am 18.3.1962 wurden die Verträge von Evian zur Beendigung des Algerienkrieges unterzeichnet. Am 1962 wurde der ehemalige Verhandlungsführer bzgl. der Unabhängigkeit von Algerien, Georges Pompidou, zum Premierminister ernannt.

Auch sonst gibt es einige weitere geschichtsträchtige Ereignisse, insbesondere am “Brandtag von Notre Dame”.
15.4.0073: Masada wird von den Römern erobert – nach dem Fall Jerusalems war die Felsenfestung Masada der letzte Stützpunkt jüdischer Herrschaft in Palästina.
15.4.1912: Die angeblich unsinkbare Titanic sinkt – mit einigen Personen an Bord, die der herrschenden Elite im Weg waren.
15.4.1951: Erstes SOS-Kinderdorf
15.4.1986: US-Luftangriff auf Tripolis
15.4.1989: Hillsborough-Katastrophe im Fußballstadion von Sheffield
15.4.1994: Gründung der WTO
15.4.1997: Bei einem Feuer unter muslimischen Pilgern sterben in Mekka 343 Menschen

Ein Sechser im Lotto erscheint da deutlich wahrscheinlicher, als dass so viele Dinge einfach zufällig zusammen treffen. Und dabei ist die geomantische Anordnung von Gebäuden im Stadtplan von Paris (aus zeitlichen Gründen) noch gar nicht berücksichtigt, aber mindestens genau so spannend.

Finanzielle Vorteile

Hinzu kommt ein ganz pragmatischer Aspekt. Frankreich ist wie schon so oft in der Geschichte kurz vor der Staatspleite. In Frankreich gehören die Kirchen dem Staat und die dringend nötige Renovierung der Kathedrale Notre Dame war schon länger nicht mehr ausreichend finanziert. Da war der Brand das bestmögliche Marketing.
Das hört sich jetzt vielleicht für viele provokant bis absurd an …
nur wenn man sich den Bericht in der NZZ vom 4. Februar 2018 anschaut:

An vielen Stellen bröckelt die Bausubstanz der Notre Dame – und das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reicht nicht für eine umfassende Sanierung. Deshalb hofft die Kirche nun auf private Wohltäter. Eine Spendenkampagne soll den stolzen Betrag von 100 Millionen Euro auftreiben. NZZ vom 4.2.2018

Nach über einem Jahr war es nicht so weit her mit den Spenden. Aber Dank des Brandes wurden binnen 3 Tagen über 1 Mrd. Euro Spendengelder eingesammelt. Chapeau! Ein Schelm, der sich dabei etwas denkt.
Was so ein Event Ereignis bewirkt …  Im Zeitalter wo Kirchen oft nicht Instand gehalten oder gar abgerissen werden ( zum Video ), nicht schlampig. Und falls sich herausstellen sollte, dass eine Renovierung nicht möglich ist oder einem sonst ein dies verhinderndes Ereignis “zufallen” sollte …
finden die Politiker sicher ein Loch in dem das Geld verschwindet. 😉

Diese Spendenbereitschaft der Reichen und Mächtigen spiegelt auch den Symbolcharakter der nach dem Stephansdom im Vatikan zweitbekanntesten Kirche wider. Für die Beseitigung von Hunger und Elend sieht es da ganz anders aus. Bilder von völlig abgemagerten und verhungernden Kindern fehlt anscheinend die Symbolik. Oder nur das passende Ereignis?

Vom “Betreiber” der Kathedrale, dem größten und reichsten Verein auf Erden, der katholischen Kirche, hört und sieht man bzgl. Unterhalt bisher wenig bis nichts. Wie so oft wird hier mal wieder Wasser gepredigt und selbst Wein gesoffen. Zumindest nimmt der Vatikan seine eigene Botschaft offensichtlich selbst nicht sonderlich ernst. Oder sollten die noch nie Matthäus 19,21 gelesen haben?

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! … Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel habenBibel, Matthäus 19,21

Da scheinen es die Kirchenfürsten eher mit einem schwäbischen Sprichwort zu halten: Was man hat, das hat man.
Schauen wir mal was als nächstes passiert und wie es weiter geht. Es bleibt auf jeden Fall spannend!
Zumal inzwischen der ehemalige Chefarchitekt der Kathedrale von Notre Dame in einem Fernsehinterview im US-Fernsehen (Quelle) gesagt hat, dass der Brand kein Unfall gewesen sein kann. Die Renovierungsarbeiten hatten noch nicht begonnen und 800 Jahre altes Eichenholz ist praktisch nicht brennbar – außer es kommen Brandbeschleuniger zu Einsatz.

Notre Dame Brand

 

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4 Kommentare

  1. Mein erster Gedanke war: Brandstiftung. Ich hatte selbst mit einem Haus aus de 17. Jhd. zu tun. Der Dachstuhl war nach dieser langen Zeit 1a. An einer Stelle hat man am Dachstuhl Brandspuren entdeckt, was heißt, dass es wohl mal gebrannt hat. Die Balken haben aber nichts von ihrer Stabilität eingebüßt. Wann immer der Brand gewesen ist, es war nicht notwendig die Balken auszutauschen.
    Die Vorzeichen für die Zukunft werden immer deutlicher.

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