Die Grundversorgung im Vergleich

Wenn in den westlichen Industrieländern von der “Grundversorgung” gesprochen wird, dann ist damit meist die Versorgung mit Energie und die Netzabdeckung beim Mobilfunk gemeint. Funklöcher, also Gebiete in denen man keinen Mobilfunkempfang hat, haben heute vor allem für die jüngere Generation einen ähnlichen Stellenwert wie das Ozonloch in den 1980er Jahren für die Medien. In einem Land, in dem jederzeit das Wasser aus dem Hahn und der Strom aus der Steckdose kommt und man dies nicht anders kennt ist das sogar verständlich. Aber wenn dem nicht so ist?

Nutzungszahlen und Zugangsmöglichkeiten

Aktuell Nutzen in Deutschland ca. 65.000.000 (in Worten: fünfundsechzig Millionen) Menschen ein Smartphone. 2018 wurden weltweit rund 1.400.000.000 (in Worten: 1,4 Milliarden) neue Smartphones verkauft. Weltweit besitzen mehr als 5 Milliarden Menschen ein Mobiltelefon, die Hälfte davon sind Smartphones.
Dass 2 von 3 Menschen inklusive der Entwicklungsländer! ein Mobiltelefon ihr eigen nennen ist beachtlich. Vor allem wenn man bedenkt, dass selbst in Ländern wie in Kenia nur noch 14% ohne sind. Zur Statistik Mobiltelefone & Smartphones nach Ländern

Welchen Stellenwert das Mobiltelefon inzwischen einnimmt zeigt sich vor allem dann, wenn man die Zahlen mit denen der lebensnotwendigen Grundversorgung vergleicht. Laut UN-Wasserbericht 2019 hat

  • jeder 3. Mensch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser,
  • 2 von 3 Menschen leiden während mindestens einem Monat im Jahr unter schwerer Wasserknappheit
  • jeweils 1 von 3 Menschen haben
    – Zugang zu sicheren sanitären Anlagen,
    – nur äußerst rudimentäre sanitäre Anlagen,
    – keinerlei sanitäre Anlagen zur Verfügung
  • über 80 Prozent aller Abwässer werden ungeklärt in die Umwelt entsorgt

Nein, das sind nicht die Zahlen von Afrika oder den Entwicklungsländern, das sind die weltweit!

Ist Mobilfunk wichtiger als Wasser?

Da stellt sich doch die Frage, warum es bei der Grundversorgung seit Jahrzehnten an allen Ecken und Enden klemmt, Mobilfunk inzwischen aber sogar im Busch, der Steppe und der Savanne angekommt. Zumal die prekäre Lage bei der Wasserversorgung und der sanitären Situation für eine Vielzahl an Folgeproblemen verantwortlich sind. Schon allein im Hinblick auf die häufigen hygienebedingten Erkrankungen und Infektionen würde hier jede Verbesserung ein zig-faches an Folgekosten einsparen. Und vor allem nachhaltig helfen!
Man kann den Eindruck gewinnen, dass das vielleicht gar nicht gewollt ist. Den Gewinn der Pharmaindustrie würde es auf jeden Fall schmälern. Ein Schelm, der sich etwas dabei denkt, dass bei der Recherche nach dem Begriff “Epidemie” gleich mehrere Hinweise auf Impfprogramme und den Einsatz von Antibiotika angezeigt werden. Zu den Ursachen und deren Behebung kommt nichts.

Ganz im Gegenteil, statt effektive Hilfe zu bekommen wird es für die Bedürftigen oft noch schwerer bis unmöglich. Dafür steigen durch die Wasserprivatisierung die Gewinne von Großkonzernen wie Nestlé* trotz diverser Skandale immer weiter.

Was ist sinnvoll und was ist möglich?

 Wenn ein “nice-to-have-Produkt” wie Mobilfunk weiter verbreitet ist und mehr gefördert wird als eine lebensnotwendige Grundversorgung mit Wasser und sanitären Einrichtungen, dann sollten alle Alarmanlagen angehen . Denn nur aus Kommerzgründen der Industrie ist das nicht denkbar. Die Politik muss auch kräftig mitmachen. Und das bei einer Technik, die unter anderem das Lernverhalten beeinträchtigt. Dazu der Beitrag “Machen Smartphones dumm?“.

Zumal es nicht allzu viel bräuchte, um effektiv Hilfe zu leisten. Deutlich weniger als für die Aufstellung von Mobilfunkmasten sogar. Das zeigt diese kultur- und religionsübergreifende Privatinitiative.

Übrigens, bei dem jeweils einen Brunnen aus dem Projekt von Ende 2017 ist es nicht geblieben. Innerhalb Jahresfrist sind durch dieses private Engagement inzwischen mehr als 850 Brunnen entstanden. Das nur als Information für diejenigen, die immer noch glauben, dass es unsere  Politiker zu unser aller Wohl richten werden. Nein, Privatinitiative ist gefordert!
Wer ebenfalls nicht warten oder nur reden, sondern etwas bewegen möchte, der kann sich über diese Seite vernetzen.

 

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